Sie
wachsen
bevorzugt
in
den
lichten,
flachen
Regionen
der
warmen
Meere.
Sie
gehören
zu
den
ältesten
Lebewesen
unserer
Erde.
Sie
bilden
Staaten
und
Kolonien
deren
metrische
Größe
die
menschlichen
Kulturreiche
als
zweitrangig
erscheinen
lassen.
Sie
leben
in
Symbiose
mit
Algen
aus
dem
Pflanzenreich,
sind
androgyn
und
innen
hohl.
Und
sie
sind
ein
eitles
Objekt
der
Begierde,
um
vorzugsweise
in
585´er
Gold
gefaßt
die
Ohren,
Hälse
und
Brüste
von
Homo
sapiens
zu
schmücken
oder
als
Chakrastein
dessen
Sexualprobleme
zu
lösen.
Die
Rede
ist
von
den
Korallen,
jener
Klasse
der
Blumentiere,
die
zu
dem
Stamm
der
Hohltiere
gehört.
In
einer
unermüdlichen
Arbeit
wandeln
diese
nur
bis
zu
30
mm
groß
werdenden
Organismen
im
Meerwasser
gelöstes
Kohlendioxyd
und
Kalzium
zu
Kalksträngen
um.
Tausende
kleine
Polypentiere
bauen
so,
dem
Licht
entgegen
wachsend,
die
bekannten
Korallenstöcke
auf,
die
der
Laie
erst
für
eine
Koralle
hält.
Ab
einer
gewissen
Mindestgröße
des
Korallenstockes
bilden
die
Einzeltiere
eine
gemeinsames
Nervensystem
um
sich
zu
vernetzen.
Eine
gemeinsame
Hautschicht
beginnt
den
ehedem
nackten
Korallenstock
zu
umwachsen.
Dies
alles
geschieht,
ohne
das
eines
der
Organismen
seine
Individualität
verliert.
Der
hohe
Organisationsgrad
der
Korallengesellschaft,
deren
Staatsform,
das
Riff,
bis
zu
25
km
lang
wird,
gibt
den
Biologen
und
Verhaltensforschern
vielfältige
Rätsel
auf.
Wird
eine
einzelne
Koralle
verletzt,
beben
noch
in
20
Metern
Entfernung
alle
anderen
Korallen
des
gleichen
Stockes
auf,
und
manche
Art
reagiert
kilometerweit
mit
einem
lumineszierenden
Leuchten.
Verschiedene
Korallenriffe
bilden
ganze
Staatengemeinschaften
mit
Ausdehnungen
bis
zu
5000
Kilometern.
Korallen
mildern
den
Treibhauseffekt
Kaum
vorstellbar
ist
die
Tatsache,
daß
die
Ausscheidungsprodukte
dieser
Meereswinzlinge
als
Bausubstanz
für
bedeutende
Teile
der
deutschen
Mittelgebirge,
der
Alpen,
des
Himalaja
und
der
Anden
dienten.
Die
aus
Korallenkalk
gebildeten
Gesteinsbänke
dieser
Gebirge
entstanden
während
des
Mesozoikums
vor
65
bis
250
Millionen
Jahren.
Zu
dieser
Zeit
war
ein
Großteil
der
Erde
durch
ein
heißes,
tropisches
Klima
geprägt.
Meere
bedeckten
die
Erde,
wo
heute
Land
ist.
Die
Ursache
der
damaligen
Warmzeit
lag
in
einer
erhöhten,
atmosphärischen
Konzentration
des
Treibhausgases
Kohlendioxyd
(CO2).
Erst
die
zunehmende
Ausbreitung
organischen
Lebens
bewirkte
die
Bindung
von
Millionen
Tonnen
dieses
Gases
in
Gesteins-
und
Kohleschichten.
Gerade
die
Korallen
sind
für
eine
spektakuläre
Bindung
von
CO2
aus
dem
Meerwasser
verantwortlich,
weil
sie
es
zu
Kalkstein
(CaCO3)
transformieren.
Denn
in
dem
Maße
wie
Kalkstein
gebildet
wird,
nehmen
die
Ozeane
neues
CO2aus
der
Atmosphäre
auf,
so
daß
es
zur
deutlichen
Ausprägung
milderer
Temperaturen
auf
der
Erde
kam.
Meteorologen
würdigen
ausdrücklich
diese
Pufferfunktion
der
Weltmeere,
da
sie
die
extremen
Auswüchse
der
gegenwärtigen,
vom
Menschen
verschuldeten,
Klimaerwärmung
abmildern.
Korallen
gehören
zu
den
gefährdeten
Lebensformen
unserer
Welt
Korallen
leben
in
hochkomplizierter ökologischer
Arbeitsteilung,
die
sie
empfindlich
gegenüber
Umweltbelastungen
machen.
Die
Lebensformen
eines
Riffs
sind
um
ein
Vielfaches
artenreicher,
als
die
des
tropischen
Regenwaldes.
Große
Gefahren
drohen
den
Beständen
durch
Meeresverschmutzung,
Touristik
und
Überfischung.
So
zerstörten
die
Abwässer
und
Erosionsschlämme
des
"Inselparadies"
Hawaii,
die
legendären
Korallengärten
der
Kaneohe-Bucht.
Und
am
großen
Barrier
Riff,
östlich
von
Australien,
kam
es
in
den
letzten
Jahrzehnten
zu
einem
drastischen
Rückgang
der
weltgrößten
Korallenpopulation.
Ursache
hierfür
war
die
aggressive
Überfischung
der
großen
Tritonschneckenmuschel
für
Kunstgewerbe
und
Fremdenverkehr.
Die
Abnahme
des
Schneckenbestandes
führte
zu
einer
explosionsartigen
Zunahme
ihrer
Hauptnahrungsquelle,
der
Dornenkronen-Seesterne.
Diese
fraßen
in
der
Folge
hunderte
Meilen
weit
alle
Korallentiere
aus
ihren
Kalkskeletten
heraus.
Auf
diese
Art
wurden
ganze
Riffsegmente
vernichtet.
Eine
Regeneration
scheint
unmöglich,
da
inzwischen
weite
Teile
des
Riffs
durch
Algen
überwuchert
sind,
die
eine
Rückkehr
der
Blumentiere
verhindern.
Dort,
wo
noch
Korallen
wachsen,
sind
sie
durch
Sporttaucher
und
die
Anker
und
Bugwellen
schneller
Motorboote
gefährdet.
Touristen
schrecken
nicht
davor
zurück,
bei
Ebbe
zu
Fuß
über
die
Riffe
zu
laufen
um
dort
Trophäen
zu
sammeln.
Dabei
zertreten
sie
tausende
der
empfindlichen
Organismen.
Weite
Teile
der
Korallenbänke
bei
Palm-Island,
vor
der
Karibikinsel
Grenada
wurden
auf
diese
Weise
zerstört.
Um
die
50
Jahre
braucht
ein
25cm
kleiner
Korallenast
zum
Wachsen,
und
ein
einziger
Spaziergang
über
ein
Riff
zerstört
die
Arbeit
von
einigen
tausend
Jahren.
Eine
falsch
verstandene
Naturverbundenheit
ist
verantwortlich
für
eine
tonnenschwere
Nachfrage
nach
Korallen
Das
Tragen
von
Korallenschmuck
war
längst
unpopulär
geworden,
nachdem
die
fast
vollständige
Vernichtung
der
mediterranen
Bestände
in
den
dreißiger
Jahren
den
Korallenpreis
in
kosmische
Höhen
trieb.
Doch
ausgehend
von
den
USA,
erfreut
sich
in
Deutschland
das
Naturheilverfahren
der
Edelsteinmedizin
zunehmender
Beliebtheit.
Anknüpfend
an
Chakralehren
und
fernöstliche
Philosophien
werden
Edelsteinen
physikalisch
nicht
meßbare
Schwingungen
zugewiesen,
die
Heilwirkungen
haben
sollen.
Tatsächlich
ermuntern
anerkannte
Heilpraktiker
ihre
Patienten
zu
solcherlei
Therapie
und
auf
Volkshochschulseminaren
werden
Kurse
zur
Edelsteinmedizin
angeboten.
An
die
dreißig
Bücher
über
Edelsteinmagie
und
Heilkunde
sind
derzeit
im
Handel
und
die
Auflagen
boomen
wie
nie
zuvor.
Parallel
hierzu
verzeichnen
Mineralien-
und
Edelsteinhändler
wachsende
Umsätze.
Überall
in
Brasilien,
Uruguay,
Madagaskar
und
Indien
werden
im
industriellen
Raubbau
ganze
Berge
gesprengt,
um
der
steigenden
Nachfrage
nach
Amethyst,
Bergkristall
und
Turmalin
gerecht
zu
werden.
Der
einzelne
Strahler,
der
in
den
einsamen
Berghöhen
allein
nach
den
Kristallen
sucht,
ist
leider
allzuoft
nur
eine
umsatzsteigernde
Legende.
Interessant
ist,
daß
nicht
wenige
Autoren
selber
zu
den
kommerziellen
Händlern
ihrer
angepriesenen
Produkte
gehören.
Gerade
der
Koralle
wird
in
der
Edelsteinheilkunde
eine
wichtige
Bedeutung
zugewiesen,
obwohl
sie
-und
das
wird
meist
verschwiegen-. ähnlich
dem
Elfenbein
eigentlich
gar
kein
Stein
ist,
und
wegen
ihres
organischen
Ursprungs
erst
getötet
werden
muß,
ehe
sie
verarbeitet
werden
kann.
Es
wirkt
befremdend,
daß
ausgerechnet
aus
der
Ecke
der
doch
mit
der
"Mutter
Erde"
verbundenen
Esoterik
und
Naturheilkunde
eine
tonnenschwere
Nachfrage
nach
Korallensstöcken
geschaffen
wird.
Es
kann
nur
Unwissenheit
sein,
die
viele
unkritische
Anhänger
dieser
Lehre
dazu
bringt,
Korallen
für
Stein
zu
halten.
Durch
das
Tragen
von
Korallenschmuck
und
das
Auflegen
von
Korallen
auf
verschiedene
Chakren
erhoffen
sie
sich
Heilwirkungen
gegen
Blut-
und
Infektionskrankheiten,
Menstruationsbeschwerden,
sexuelle
Unlust,
Unfruchtbarkeit
und
vieles
mehr.
Gerade
für
diese
Zielgruppe
wird
ein
ganzes
Sortiment
von
speziellen
Ritualschliffen,
Ketten,
Schmuckteilen
und
Rohwaren
angeboten.
Quantifizierbar
sind
die
Umsätze
nicht,
da
es
im
Bereich
des
Edelsteinhandels
keine
exakten
Warencodes
gibt,
mit
denen
dem
Fiskus
und
dem
Zoll
eine
Übersicht
gelänge.
Zudem
ist
ja
der
freie
Handel
mit
Korallen
in
Deutschland
verboten,
da
er
von
speziellen
Genehmigungen
des
Bundesamtes
für
Naturschutz
abhängt.
Der
Handel
mit
Korallen
ist
unmoralisch
und
illegal
Dennoch
blüht
in
Deutschland
der
Handel
mit
illegal
importierten
Korallen.
Die
Regale
und
Schaufenster
von
Mineralienhändlern
und
Juwelieren,
Delikatessengeschäften,
Esoterikgeschäften
und
des
Dekogewerbes
sind
gefüllt
mit
geschützten
Korallenarten,
die
sich
nach
geltendem
Recht,
überhaupt
nicht
hier
befinden
dürften.
Dieses
Recht
wird
durch
die
Bestimmungen
der
Washingtoner
Artenschutzübereinkunft,
die
EG
Verordnung
3626/82,
das
Bundesnaturschutzgesetz
und
die
deutsche
Artenschutzverordnung
geregelt.
Erst
wenn
eine
anerkannte
wissenschaftliche
Behörde
des
Ausfuhrlandes
eine
Unbedenklichkeitsbescheinigung
ausstellt,
die
besagt,
daß
der
Bestand
der
jeweiligen
Korallenart
im
Ursprungsland
nicht
gefährdet
ist,
wird
eine
Importgenehmigung,
so
beispielsweise
für
die
pazifische
Schaumkoralle,
erteilt.
Die
begehrte
rote
mediterrane
Edelkoralle
darf
dagegen
überhaupt
nicht
importiert
werden.
Zwar
heißt
es,
daß
die
Bescheinigungen
in
der
Dritten
Welt
für
eine
Handvoll
Dollar
überall
zu
bekommen
seien,
in
der
Praxis
jedoch
können
die
meisten
Händler
solche
Dokumente
gar
nicht
vorweisen.
Besonders
profitorientierte
Importeure
benutzen
oft
ein
und
das
gleiche
Formular
für
die
Legitimation
immer
neuer
Lieferungen.
Ermöglicht
wird
der
Binnenhandel,
weil
im
grenzkontrollfreiem
Europa
noch
immer
auf
grausame
Art
Korallenfischerei
betrieben
wird.
Grausam
ist
dieses
Gewerbe
deshalb,
weil
zur
Ernte
der
Korallenstöcke
neben
Tauchern
auch
immer
noch
das
stählernes
Andreaskreuz
eingesetzt
wird,
das
über
den
Meeresgrund
gezogen,
alles
zerstört,
was
sich
ihm
in
den
Weg
stellt.
Seine
mehrere
Meter
große
Konstruktion
bricht
die
Korallen
am
Fuß
ab
und
fördert
sie
in
angebrachte
Netze.
Anschließend
werden
die
Korallen
noch
lebend,
in
Fässer
mit
heißer
Säure
getaucht,
damit
die
fleischigen
Blumentiere
abgetötet
und
von
ihrem
Skelett
gelöst
werden.
Durch
dieses
chemische
Verfahren
erhält
die
Koralle
ihren
seidigen
Farbglanz.
Bei
der
Säurebehandlung
eines
nur
25cm
großen
Korallenastes
werden
so
je
nach
Art
bis
zu
40000
Einzeltiere
getötet.
In
Italien
legalisieren
EG
widrige
Sondergenehmigungen
des
Staates
auf
nationaler
Ebene
sogar
noch
den
Irrsinn
der
Korallenfischerei.
So
erklärt
es
sich,
daß
auch
immer
wieder
die
verbotene
mediterrane
rote
Edelkoralle
(Corallium
rubrum)
kontrollenfrei
den
deutschen
Markt
erreicht.
Es
sind
jedoch
nicht
alleine
die
italienisch-adriatischen
Korallen
die
derzeit
den
Handel
bestimmen.
Auch
Importe
von
Schaumkorallen
und
gefärbter
Ware
aus
dem
pazifischen
Raum
und
vom
Roten
Meer
finden
ihren
Weg
über
den
Binnenmarkt
nach
Deutschland.
Denn
in
den
EG
Partnerländern
gilt
zum
Teil
eine
sehr
viel
nachsichtigere
Auslegung
der
EG-Verordnungen
und
des
Washingtoner
Abkommens.
Die
prinzipiellen
Handelsverbote
die
das
strengere
deutsche
Naturschutzgesetz
kennt,
sind
in
Rotterdam,
Antwerpen
und
Neapel
wirkungslos.
Mit
der
andauernden
Vernichtung
der
Korallenbestände
durch
Raubbau
und
Meeresverschmutzung
wird
in
unseren
Weltmeeren
Tag
für
Tag
die
Austauschkapazität
von
CO2
verringert
und
damit
die
Erderwärmung
beschleunigt.
Wie
Hohn
mutet
es
an,
wenn
Korallen
da
weiterhin
für
eitle
Pfauenallüren
und
suspekte
Naturheilverfahren
vermarktet
werden,
um
in
den
CO2-Erzeugermetropolen
als
Schmuck
und
als
Totem
gegen
Unfruchtbarkeit
zu
wirken.
c.
Berlin,
25.
Januar
1995;
Christoph
M.
Brenneisen
|